Masken im Berufsleben: Weshalb Authentizität nicht immer gut ankommt

Ein gewisses Maß an Anpassung ist im Berufsleben normal und manchmal sogar sinnvoll. Doch wenn sich Arbeitnehmende über lange Zeit verstellen müssen, um akzeptiert zu werden, kann das schwerwiegende Folgen für ihre psychische Gesundheit, ihre Motivation und die Unternehmenskultur haben. Unternehmen profitieren von authentischen Mitarbeitenden und sollten daher aktiv dafür sorgen, dass sich niemand gezwungen fühlt, eine Maske zu tragen.

Warum verstellen sich Arbeitnehmende?

1. Soziale Erwünschtheit und Anpassungsdruck

Menschen wollen gemocht und respektiert werden und besonders in hierarchischen Organisationen oder Unternehmen mit stark ausgeprägter Corporate Identity ist der Druck hoch, sich anzupassen.

2. Karrierestrategie und unausgesprochene Regeln

In manchen Unternehmen werden mit dem Anforderungsprofil an Führungskräfte bestimmte Eigenschaften verknüpft. Das kann dazu führen, dass sich karriereorientierte Arbeitnehmende anders verhalten, als es eigentlich ihrer Persönlichkeit entspricht.

3. Angst vor Ablehnung oder Diskriminierung

Menschen aus bestimmten gesellschaftlichen Gruppen (z. B. Frauen in männerdominierten Branchen, ältere Mitarbeitende, LGBTQ+-Personen oder Menschen mit Migrationshintergrund) erleben oft, dass sie sich anpassen müssen, um nicht negativ aufzufallen oder Vorurteile zu vermeiden.

Ist das Verstellen gut oder schlecht?

Die Vorteile

  • Kurzfristige Anpassung erleichtert den Einstieg. Gerade in neuen Jobs kann ein gewisses Maß an Anpassung helfen, sich in die Unternehmenskultur einzufinden.
  • Es kann Karrieretüren öffnen. Wer sich den ungeschriebenen Regeln einer Organisation anpasst, kann möglicherweise schneller akzeptiert und gefördert werden.
  • Es fördert soziale Harmonie. Manchmal hilft es, Konflikte zu vermeiden, indem man sich in bestimmten Situationen anders gibt.

Die Nachteile

  • Psychische Belastung und Stress: Wer dauerhaft eine Rolle spielt, lebt in einem inneren Konflikt. Dies kann zu Erschöpfung, Frustration oder sogar Burnout führen.
  • Authentizitätsverlust: Langfristig kann das Verstellen dazu führen, dass Menschen den Kontakt zu sich selbst verlieren. Sie wissen nicht mehr genau, wer sie eigentlich sind und was ihnen wirklich wichtig ist.
  • Geringere Zufriedenheit und Motivation: Wer sich ständig anpassen muss, verliert oft die Freude an der Arbeit. Die Identifikation mit dem Unternehmen nimmt ab, was sich in sinkender Produktivität und Loyalität widerspiegeln kann.
  • Verlust von Diversität: Unternehmen, in denen sich alle gleich verhalten müssen, verlieren die Innovationskraft und Kreativität, die aus vielfältigen Persönlichkeiten und Perspektiven entsteht.

Was passiert mit diesen Menschen?

Arbeitnehmende, die sich über lange Zeit verstellen müssen, erleben oft eine schleichende Entfremdung von sich selbst und ihrer Arbeit. Mögliche Folgen sind:

  • Innerliche Kündigung: Die Person arbeitet nur noch mechanisch und emotional distanziert.
  • Burnout und Erschöpfung: Die ständige Diskrepanz zwischen innerem Selbst und äußerem Verhalten kann zu schwerwiegenden psychischen Belastungen führen.
  • Karrierewechsel oder Jobwechsel: Viele Menschen, die das Gefühl haben, sich zu sehr anpassen zu müssen, suchen sich irgendwann ein neues Umfeld, in dem sie authentischer sein können.

Wie können Arbeitnehmende mit dem Anpassungsdruck umgehen?

  • Selbstreflexion: Wie viel Anpassung ist für mich akzeptabel, und wo überschreite ich meine Grenzen?
  • Perspektivwechsel: Gibt es Möglichkeiten, meine Authentizität schrittweise einzubringen, anstatt mich komplett anzupassen?
  • Gezielte Arbeitgeberwahl: Unternehmen mit offener, wertschätzender Kultur fördern oft Vielfalt und Individualität.
  • Coaching oder Mentoring: Unterstützung durch einen Coach oder Mentor kann helfen, Strategien zu entwickeln, um sich beruflich weiterzuentwickeln, ohne sich selbst zu verlieren.

Was können Unternehmen tun?

  • Kultur der Authentizität fördern: Führungskräfte sollten ein Umfeld schaffen, in dem Vielfalt geschätzt wird.
  • Diversität als Stärke erkennen: Unterschiedliche Perspektiven und Persönlichkeiten können den Erfolg eines Unternehmens steigern.
  • Psychologische Sicherheit bieten: Mitarbeitende müssen wissen, dass sie sich zeigen dürfen, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit fehlender Authentizität im beruflichen Alltag gemacht? Schreiben Sie mir gerne!

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