Wie man Narzissten im Interview entlarvt

Die Identifikation von Narzissten im Rahmen einer Stellenbesetzung ist keine einfache Aufgabe, aber mit den richtigen Fragen und einer guten Beobachtungsgabe können Sie Anzeichen für narzisstische Persönlichkeitsmerkmale erkennen.

Hier erfahren Sie, welche Fragen Sie beispielsweise stellen können, um narzisstische Tendenzen zu erkennen.

Fragen zur Teamarbeit und Kooperation:

„Erzählen Sie mir von einer Situation, in der Sie mit einem Team zusammengearbeitet haben, um ein Ziel zu erreichen. Welche Rolle haben Sie dabei eingenommen?“

Hintergrund: Narzissten neigen dazu, ihre eigene Rolle zu übertreiben und den Beitrag anderer herunterzuspielen. Häufig kommt in den Antworten das Wort „Ich“ oder „Man“ und weniger das Wort „Wir“ vor. Wenn sich die Antwort nur auf eigene Erfolge konzentriert, ohne die Teamleistung zu würdigen, kann dies ein Hinweis auf narzisstische Züge sein.

Beispielantwort: „Ich habe die Koordination und Steuerung des Teams übernommen und Rahmenbedingungen geschaffen, damit das Team arbeiten kann. Ich war die entscheidende Schnittstelle zu den Entscheidern und habe das Team immer wieder motiviert und vorangetrieben.“

Wichtige Anschlussfragen: „Womit haben Sie Ihr Team motiviert und vorangetrieben?“

„Welche Rahmenbedingungen haben Sie geschaffen?“

„Wie gehen Sie mit Konflikten im Team um?“

Hintergrund: Ein Narzisst wird möglicherweise Schwierigkeiten haben, Verantwortung für Konflikte zu übernehmen und stattdessen die Schuld auf andere schieben. Wenn das Gegenüber keine Selbstreflexion zeigt, sondern immer andere für Konflikte verantwortlich macht, ist Vorsicht geboten.

Beispielantwort: „Grundsätzlich gibt es in meinen Teams keine Konflikte. Und wenn, mache ich eine Ansage und stelle klar, dass ich ein solches Verhalten nicht dulde und Störenfriede austausche.“

Wichtige Anschlussfrage: „Beschreiben Sie eine konkrete Situation, in der Sie genau so vorgegangen sind.“

Fragen zur Fehlerkultur und zum Scheitern:

„Erzählen Sie mir von einer Situation, in der Sie gescheitert sind und was Sie daraus gelernt haben.“

Hintergrund: Narzissten haben oft Schwierigkeiten, Fehler zuzugeben oder Verantwortung für Scheitern zu übernehmen. Sie könnten versuchen, den Fehler zu relativieren oder ihn auf äußere Umstände zu schieben. Eine offene Person zeigt hier vielleicht Selbstreflexion und die Bereitschaft, aus Misserfolgen zu lernen.

Beispielantwort: „So richtig gescheitert bin ich eigentlich noch nie. Ich gehe immer planvoll an meine Aufgaben heran. Aber ich habe schon häufiger erlebt, dass meine Vorgesetzten plötzlich Aufgaben und Projekte verschoben bzw. den Scope verändert haben. Ohne mich dabei einzubeziehen oder auf meine Meinung zu hören. So etwas schaue ich mir aber nicht lange an. Wenn andere glauben, es besser zu können, dann bin ich fehl am Platz.“

Wichtige Anschlussfrage: „Was unternehmen Sie, wenn Sie bemerken, dass solche Situationen eintreten?“

„Wie gehen Sie mit Kritik um?“

Hintergrund: Eine narzisstische Person wird möglicherweise defensiv reagieren und Kritik ablehnen oder auf andere abwälzen. Eine offene Person wird hingegen die Möglichkeit erkennen, sich weiterzuentwickeln und aus Fehlern zu lernen.

Beispielantwort: „Grundsätzlich ist Kritik gut. Allerdings entscheide ich, von wem ich Kritik annehme. Ich nehme beispielsweise von Menschen, die weniger Berufs- und Lebenserfahrung oder von meinen Themen keine Ahnung haben, keine Kritik an. Meistens können die noch etwas von mir lernen.“

Wichtige Anschlussfrage: „Von wem haben Sie zuletzt Kritik angenommen und was haben Sie danach verändert?“

Fragen zu Erfolg und Lessons Learned:

„Was war bisher Ihr größter Erfolg und was hat Sie dazu befähigt, dieses Ziel zu erreichen?“

Hintergrund: Narzissten neigen dazu, ihre eigenen Erfolge in den Vordergrund zu stellen und oft auch zu übertreiben. Sie könnten versuchen, ihre Errungenschaften als Ergebnisse ihrer alleinigen Anstrengungen darzustellen, ohne die Unterstützung anderer anzuerkennen.

Beispielantwort: „Ich übernehme am liebsten die schwierigen Aufgaben und Projekte, vor denen sich alle anderen drücken. Ich bin sehr ehrgeizig und wenn es um meine Zielerreichung geht, auch kompromisslos. Das gefällt sicherlich nicht jedem, aber Erfolg hat nun mal seinen Preis.“

Wichtige Anschlussfragen:„Wie gehen Sie mit Menschen um, die sich an Ihrem Verhalten stören?“

„Wann mussten Sie zuletzt jemanden um Hilfe bitten, weil Sie gemerkt haben, dass Sie ein Ziel nicht alleine erreichen können?“

Fragen zu persönlichem Wachstum und Lernen:

„Von wem haben Sie in Ihrer Karriere am meisten gelernt und warum?“

Hintergrund: Eine narzisstische Person wird möglicherweise Schwierigkeiten haben, jemand anderem Anerkennung zu zollen und könnte sich nur auf eigene Erfahrungen konzentrieren. Eine Person, die wirklich reflektiert, wird andere Personen oder Erfahrungen benennen, die für den eigenen beruflichen Weg prägsam waren.

Beispielantwort: „Ich habe am meisten von mir selbst gelernt. Wenn ich die Dinge nicht in die Hand nehme und alles regle, macht es kein anderer. Zumindest nicht so gut wie ich.“

Wichtige Anschlussfrage: „Wie sehen das andere Menschen in Ihrem Umfeld?“

Fragen zur Mitarbeitermotivation und Teamführung:

„Welche Eigenschaften schätzen Sie an Ihren Mitarbeitenden?“

Hintergrund: Eine narzisstische Person wird eher nicht Merkmale wie „Teamfähigkeit“, „Eigeninitiative“ und „Verantwortungsbewusstsein“ hervorheben.

Beispielantwort: „Am meisten schätze ich, wenn jeder seine Rolle und Aufgabe kennt und ausfüllt. Dafür schaffe ich die Rahmenbedingungen und halte von meinem Team jegliche Widerstände von außen fern.“

Wichtige Anschlussfrage: „Wie gehen Sie mit Widerständen gegen Ihr Vorgehen um?

Fragen zur persönlichen Motivation und Zielorientierung:

„Was treibt Sie an? Was sind Ihre langfristigen Ziele?“

Hintergrund: Narzissten könnten sich stärker auf persönliche Ambitionen und den Drang nach Macht und Anerkennung konzentrieren, während andere Kandidaten auch Teamziele oder das Wohl des Unternehmens in den Vordergrund stellen.

Beispielantwort: „Ich bin die geborene Führungskraft. Das bemerke ich immer wieder in meinem Umfeld. Ich treffe gerne Entscheidungen und ich sehe immer das große und ganze. Das fehlt sehr vielen Menschen. Mein langfristiges Ziel ist, CEO zu werden und die Gesamtverantwortung für ein Unternehmen zu tragen.“

Wichtige Anschlussfrage: „Welche Skills sind Ihrer Meinung nach noch wichtig, um die Gesamtverantwortung für ein Unternehmen zu tragen?“

Frage zur Empathie und Zusammenarbeit:

„Wie schaffen Sie es, mit Menschen zu arbeiten, die unterschiedliche Meinungen und Arbeitsweisen haben?“

Hintergrund: Narzissten haben Schwierigkeiten, sich in andere hineinzuversetzen oder mit unterschiedlichen Perspektiven umzugehen. Ihre Antwort könnte eine Neigung zur Kontrolle und Dominanz widerspiegeln.

Beispielantwort: „Grundsätzlich sind unterschiedliche Meinungen und Sichtweise gut. Allerdings sind berufliche Aufgaben keine Meinungsumfrage und es muss letztlich ein Ergebnis geliefert werden. Wenn keine Einigung getroffen werden kann, entscheide ich es.“

Wichtige Anschlussfragen: „In welchen Situationen haben sich abweichende Meinungen und Sichtweisen als eine bessere Lösung herausgestellt, als die die Sie ursprünglich im Kopf hatten?“

„Welche Aufgaben geben Sie am ehesten ab und wonach entscheiden Sie das?

Fachliche Frage:

„Wie sind Sie in der fachlichen Thematik / in Ihrem letzten Projekt konkret vorgegangen? Was waren Ihre ersten Schritte, mit wem mussten Sie sich abstimmen?“

Hintergrund: Narzissten sind oft rhetorisch sehr versiert und reden bei fachlichen Themen gerne breit und ausschweifend. Sie kommen allerdings nicht zum Kern der Frage.

Beispielantwort: „Man muss zuerst in die Auftragsklärung gehen und alle Stakeholder abholen und sich auf ein Ziel verständigen. Dann müssen die Teilschritte festgelegt und abgesteckt werden. Auch das Budget und die verfügbare Ressource spielen dabei eine wichtige Rolle. Oftmals sind sich die Auftraggeber nicht im Klaren darüber, was sie liefern müssen, damit das gewünschte Ziel erreicht wird.“

Wichtig: Hier müssen Sie unbedingt nachfassen und darauf beharren, dass Ihr Gegenüber nicht aus dem Lehrbuch plaudert, sondern konkret darlegt, was er/sie getan hat!

Verhalten im Interview als Indikator

Neben den gestellten Fragen ist es auch wichtig, auf das Verhalten, Körpersprache und Mimik des Gegenübers im Interview zu achten.

In der Regel ist die Körpersprache immer zugewandt und offen, wenn eine narzisstische Persönlichkeit von sich und ihren Erfolgen spricht. Sie ist teilweise auch sehr Raum einnehmend und dominant.

Wenn es um Fragen zur Selbstkritik, Fehlern und Wertschätzung anderer Personen geht, erfolgt hier häufig eine verschlossene Körpersprache. Dabei werden Arme verschränkt, der Oberkörper zurückgebeugt und eine deutliche Unruhe im Gesamtbild tritt ein.

Wenn es um inhaltliche Tiefe geht, antworten Narzissten gerne lang und ausschweifend an der Kernfrage vorbei. Hier ist es wichtig, sie immer wieder zur Kernfrage zurückzuführen und auf eine kurze und prägnante Antwort zu beharren. Sie werden auch hier zunehmend eine gewisse Ungehaltenheit beim Gegenüber feststellen. Lassen Sie sich auch immer konkrete Beispiele liefern und fassen Sie nach, wenn die Antworten zu ungenau sind.

Natürlich ist nicht jede Person, die gerne über sich und ihre Erfolge spricht, eine ausgesprochene narzisstische Persönlichkeit.

Deshalb müssen solche Einstellungsentscheidungen gut überlegt sein. Führen Sie im Zweifelsfall besser mehrere Interviewrunden mit unterschiedlichen und geschulten Interviewpartnern durch.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Narzissten in Ihrem beruflichen Umfeld gemacht?

Schreiben Sie mir gerne eine persönliche Nachricht!

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